Josh Rouse entdeckt den Samba
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Berlin Von Werner Herpell, dpa - Samba, Bossa, Rumba, Mambo nicht unbedingt die Musik, die einem 1972 geborenen Songwriter aus dem verschlafenen US-Staat Nebraska in die Wiege gelegt wurde.
Der Gitarrist und Sänger Josh Rouse hat die Verschmelzung seines sensiblen Folkrock-Stils mit süd- und mittelamerikanischen Rhythmen dennoch gewagt. Das Ende Februar erschienene «El Turista» ist eines der schönsten Alben dieses Winters geworden, auch wenn man ihm wegen seines exotischen Charmes und der durchaus hitverdächtigen Melodien eine Veröffentlichung im Sommer gewünscht hätte.
Spätestens seit seinen Meisterwerken «1972» (2003) und «Nashville» (2005) gehört Josh Rouse zu den besten amerikanischen Singer-Songwritern. Vor allem mit dem zutiefst melancholischen Songzyklus «Nashville» verarbeitete er eindrucksvoll private und berufliche Abschiede von seiner Ehefrau und dem Leben in der Country-Metropole, die ihm zur Heimat geworden war. Es folgte der Umzug nach Valencia und eine neue Liebesbeziehung zur spanischen Sängerin Paz Suay, die sich in zwei glücksseligen, aber musikalisch eher flachen Alben («Subtítulo» von 2006 und «Country Mouse City House» von 2007) niederschlug.
Mit «El Turista» erfüllt Rouse nun wieder die Hoffnung auf Anspruchsvolleres. «Ich weiß, dass es irgendwie merkwürdig klingt - ein Bursche aus dem Mittleren Westen der USA, der brasilianische Lieder auf Spanisch singt», räumt der 37-Jährige auf seiner Internetseite ein. «Ich weiß nicht, ob das zusammenpasst, aber es fühlt sich gut an.» Wohl wahr. Zumal Rouse seine Wurzeln natürlich nicht ganz gekappt hat immer wieder klingt der warmherzige Country-Soul durch, den er seit dem Debüt von 1998 zu seinem Markenzeichen entwickelt hat.
Das uralte Folk-Traditional «Cotton Eye Joe» in einer wunderbar luftigen, streicherdurchwehten Neuinterpretation, das von einem jazzigen Saxofon-Solo gekrönte «Don't Act Tough» - das sind Balladen mit Gänsehaut-Garantie. «I Will Live On Islands» knüpft ohrwurmig an Paul Simons berühmtes Afrika-Album «Graceland» an, und mit den spanisch gesungenen Liedern «Las Voces» und «Valencia» setzt Josh Rouse seiner neuen mediterranen Heimat ein Denkmal. Nur einmal im etwas biederen Tanzkapellen-Sound von «Duerme» - tappt er in die Klischeefalle, die immer bei der Übernahme fremder Musikstile droht.
Perfekt auf Hochglanz poliert hat das Album wieder Meisterproduzent Brad Jones. Über allem schwebt diese geschmeidige, klare Stimme, die Euphorie und Traurigkeit gleichermaßen auszudrücken weiß. Ob er mit seiner Samba-Pop-Fusion nun endlich den kommerziellen Durchbruch schaffen wird? «Wenn es niemandem gefällt außer mir, ist es auch nicht so schlimm», sagte Josh Rouse kürzlich in einem Radio-Interview. Er hat sich daran gewöhnt, mit seiner zeitlosen, keinerlei Trends unterworfenen Musik Rouse nennt sie «sophisticated» - ein eher kleines, aber feines Publikum zu bedienen.




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