Dee Dee Bridgewater ehrt Billie Holiday
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Hamburg (dpa) - Hommage-Alben sind en vogue: Rufus Wainwright zollte mit «Rufus Does Judy At Carnegie Hall» der US-Schauspielerin Judy Garland Tribut, seine Schwester Martha Wainwright ehrte erst kürzlich mit einem ganzen Album Edith Piaf.
Die großartige Jazz-Sängerin Dee Dee Bridgewater verbeugte sich jetzt vor einer anderen großen Jazz-Sängerin: Billie Holiday, die sie bereits in dem Bühnenstück «Lady Day» verkörpert hatte. «Eleanora Fagan (1915-1959): To Billie With Love From Dee Dee» hat sie ihr Album genannt.
Judy Garland, Edith Piaf, Billie Holiday - so unterschiedlich sie auch waren, so verbunden sind sie alle miteinander durch eine tragische Biografie. 44 Jahre alt nur wurde die von Drogen und Alkohol gezeichnete Billie Holiday, die in einem heruntergekommenen Viertel von Baltimore im US-Bundesstaat Maryland heranwuchs. Früh von Vater und Mutter verlassen und von den Großeltern aufgezogen, wird sie von der Cousine häufig misshandelt, von einem Nachbarn missbraucht, landet sie im Gefängnis, im Erziehungsheim und rutscht schließlich in die Prostitution ab.
In der Zeit der großen Depression leben Mutter und Tochter in New York. Halb verhungert und verzweifelt läuft Billie Holiday, wie sie sich jetzt nennt, durch das Amüsierviertel von Harlem. In Cafes und Klubs bettelt sie um Arbeit. Schließlich singt sie einem Nachtklubbesitzer vor, der sie für ein paar Dollar die Woche engagiert. Nicht lange, und sie ist der Star in Harlem.
Billie Holiday gab dem traditionellen schwarzen Blues der Baumwollfelder eine städtische Note. Sie riss das Publikum mit zarter Stimme oder leisem Schluchzen in Gefühlsstürme und schrie sich die Sehnsucht von der Seele. Sie experimentierte mit jedem Takt und Ton, in bis dahin nicht gekannter Weise.
«Ich ertrage es nicht, denselben Song zwei Abende hintereinander auf die gleiche Weise zu singen, geschweige denn zwei Jahre oder zehn Jahre, schrieb Billie Holiday in ihrer Autobiographie «Lady Sings The Blues» von 1956. Und auch Dee Dee Bridgewater (59) geht ganz frei mit den Holiday-Songs um: Neu arrangiert und nervöser inszeniert, transportiert die aus Memphis (US-Bundesstaat Tennessee) stammende Bridgewater die zeitlosen Klassiker ins 21. Jahrhundert. «Ich wollte "Eleanora Fagan" einen anderen Touch geben: moderner und festiver, nicht düster und rührselig. Ich wollte ein freudig klingendes Album», ließ Lady Dee verlauten, die mit «Lady Sings the Blues» startet, die ganze Skala unerfüllter Liebe durchläuft, um ihre Hommage schließlich doch ganz düster gefärbt mit dem sparsam instrumentierten «Strange Fruit» herzergreifend abzuschließen.
Diese leidenschaftliche Anklage gegen die Lynchjustiz im Süden der USA erzählt von schwarzen Körpern, die von den Bäumen baumeln, aus deren Blättern und Zweigen Blut tropft. Es wurde ihr größter Erfolg.
Mal Waldron, Billie Holidays letzter Pianist, sagte über ihr Leben: «Sie hatte wahnsinnig viel zu vergessen. Und sie hinterließ uns eine Menge, was der Erinnerung wert ist.» Dee Dee Bridgewater trägt mit «Eleanora Fagan» wesentlich dazu bei, dass die Erinnerung an Billie Holiday lebendig bleibt.
(Tourdaten: 12.04. Hamburg - Laeiszhalle, 15.04. Stuttgart - Liederhalle, 25.04. Heidelberg - Stadthalle, 26.04. Frankfurt am Main - Alte Oper)




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