Gorillaz: Affentheater am «Plastic Beach»
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Hamburg Von Florian Oertel, dpa - Mit den Gorillaz feiert die größte virtuelle Band der Welt ihr Comeback. Mehr als zwölf Millionen Alben mit den vier Cartoon-Charakteren 2D, Murdoc, Noodle und Russel auf den Covern sind bisher über die Ladentische gegangen.
Dabei wird es nicht bleiben. Denn «Plastic Beach», Album Nummer drei, ist überaus hitverdächtig - oder besser gesagt: astreines Affentheater.
In Wahrheit sind die Gorillaz überhaupt keine Affen, sondern ein verschrobener Mechaniker-Sohn (Murdoc) oder auch eine von Alpträumen geplagte Japanerin (Noodle) - aus der Feder von «Tank Girl»-Zeichner Jamie Hewlett. Und ihr musikalischer Vater ist natürlich auch nicht Murdoc, wie in allen offiziellen Gorillaz-Verlautbarungen zu lesen, sondern Damon Albarn - zu Ruhm und dem nötigen Kleingeld für solche Spielereien gekommen als Sänger der Britpopper Blur.
Deren stattliche Verkäufe haben die Gorillaz spätestens mit ihrem zweiten Album «Demon Days» sowie Hit-Singles wie «Feel Good Inc.» und «DARE» in den Schatten gestellt. Da ist es kein Wunder, dass Albarn es mit dem Veröffentlichen von «Plastic Beach» nicht eilig hatte: Fünf Jahre sind seit dem Vorgänger vergangen. Für Musiker, die bang aufs Bankkonto schauen müssen, wäre das eine Ewigkeit.
Das neue Album ist tatsächlich das von vielen erhoffte Spektakel geworden. Albarn präsentiert damit Popmusik auf der Höhe der Zeit, dieses Mal sogar ohne namhaften Produzenten an der Seite. Wie schon bei den Vorgängern sind viele der 16 Songs HipHop-lastig, aber doch melodieverliebt. In der Mehrzahl leicht melancholisch, sind die Stücke eingängig genug, um bereits nach wenigen Wiederholungen im Ohr hängenzubleiben - und trotzdem alles andere als glatt.
Bei einigen Stücken ist Albarns immer etwas verschlafen klingende Stimme zu hören, für die meisten aber hat er Mitstreiter ins Boot geholt. Dazu zählen die Rapper Snoop Dogg, Mos Def und De La Soul sowie Lou Reed und die Soul-Legende Bobby Womack. Außerdem sind eine Formation aus der Jazz-Ecke namens Hypnotic Brass Ensemble und das National Orchestra For Arabic Music aus Syrien mit von der Partie. Nicht zuletzt das verdeutlicht die Vielseitigkeit des Albums.
Freilich rankt sich wieder eine reichlich spinnerte Geschichte um das Album: «Plastic Beach» ist nicht nur dessen Titel, sondern auch die neue Gorillaz-Zentrale - eine aus Müll aufgetürmte Insel irgendwo im Südpazifik, gekrönt von einer Villa im Stile von Hugh Hefners Playboy Mansion. Dort hält Murdoc seinen Bandkollegen 2D gefangen, während eine Cyborg-Version von Noodle ihn beschützt und Russel sich wohlweislich aus allem raushält.
Und «Plastic Beach» - auch das gehört zum Konzept - ist nicht nur etwas zum Hören: Wer will, kann den mysteriösen Flecken besuchen, auf der offiziellen Webseite www.gorillaz.com. Dort lässt sich nicht nur die Villa erkunden. Es gibt auch Videoclips, kleine Spiele, Songs, Twitter-Nachrichten im Namen von Murdoc - jede Menge kurzweiligen und kunterbunten Firlefanz also, den man als weltgrößte virtuelle Band seinem Publikum heutzutage nun einmal bieten muss.




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