Stereophonics haben ein Debüt im Sinn
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London Von Sebastian Döring, dpa - Rockbands werden im Laufe der gemeinsamen Jahre gewöhnlich besser, sind eingespielt, schärfen ihren ganz eigenen Klang. Die walisische Rockband Stereophonics probiert es mal anders.
Mit ihrem siebten Studioalbum «Keep Calm And Carry On» (Ruhigbleiben und Weitermachen) wollen sich die Musiker um Sänger Kelly Jones selbst austricksen. Die Platte soll wie ein Debütalbum daherkommen; 18 Jahre Bandgeschichte wurden mal eben über den Haufen geworfen.
Doch die herausragende Live-Band erntet mit diesem ungewöhnlichen Ansatz und dem Ergebnis überraschend Gelächter bei Kritikern. Die Songs seien «in solch einfallsloser Banalität» erzählt, «dass es wahrlich kaum einen juckt», meint der Rundfunksender BBC und erklärt die Waliser zum «Pub-Rock-Schatten ihrer selbst». Solche harten Worte wecken Interesse.
Tatsächlich strotzt das Album vor abwechslungsreichen Rocknummern, auch weil es das Konzept der Band war, kein Konzept zu haben. «Erst hatten wir nur ein Reihe von Ideen, woraus das Album entstand, wie bei einem Puzzle», sagte Jones im dpa-Interview. «Teil für Teil fügten wir zusammen. Es hatte sich nie so angefühlt, als ob wir ein Album machten.» Dabei geholfen hat Erfolgsproduzent Jim Abbiss (Björk, Massive Attack). Die Platte sei absichtlich «bruchstückhaft» und «sporadisch». Jones schrieb die Lieder auf Tour, immer woanders.
Der Auftakt ist für ein «Debütalbum» unglücklich gewählt. Ein gelangweiltes Riff unterstreicht in «She's Alright» die Langeweile des Sängers, der von einem Date erzählt, bei dem die Frau dermaßen betrunken war, dass er sie schützen musste; er klingt alles andere als begeistert. Die Electro-Western-Ballade «Beerbottle» muntert jene auf, die am Boden zerstört sind. Mit dem Appell «Walk On» klingt sie nach der gleichnamigen U2-Hymne. Im progressiven Rocklied «Live'n'Love» meint man U2-Gitarrist The Edge zu hören. «Ich glaube wir wurden noch nie mit U2 verglichen», sagte Jones genervt.
Die Rockgruppe sorgt sich mit knalligen Tanznummern um das Wohl der Gesellschaft, etwa in «Uppercut» und «Wonder». In «100 MPH» mäkeln die Waliser über das hohe Tempo des modernen Lebens. Die Wirtschaftskrise wird in «Trouble» musikalisch verarbeitet. Die Platte habe eine Eigendynamik, sagte der neue Gitarrist der Band, Adam Zindani. Das Album «war wie ein wildes Tier, an dem wir uns schließlich festklammerten, als hinge unser Leben davon ab».
Noch so eine fixe Idee war der Titel des Albums. «In einem Geschäft hing so ein Plakat, das ursprünglich für Propaganda im Zweiten Weltkrieg geplant war, aber nie zum Einsatz kam», sagte Jones. «In den vergangenen zehn Jahren lebte dieses Motiv auf Pins und Postern wieder auf. Die Leute hingen es sich in ihrem Haus auf, um sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten besser zu fühlen. Das war einfach ein Titel, den wir in die Runde warfen, und die Leute mochten es. Komischerweise passte der dann zu einigen Songs.»
Wie am Fließband bringen die Waliser alle zwei Jahre ein neues Album auf den Markt. «Das fällt einfach so vom Himmel», sagt der Kopf der Band. «Aufnahmen im Tonstudio, Tournee, Songschreiben, Demos der Songs einspielen. Die Plattenfirma mag das Album und will es in sechs Monaten auf den Markt bringen, bevor man es selbst weiß.»




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