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Kesha lässt das Tier raus [0]

London Von Sebastian Döring, dpa - Die Popmusik wird gaga. Der Erfolg von US-Sängerin Stefani Germanotta alias Lady Gaga (23) hat die Branche angesteckt. Auf die Fans kommt nun eine Welle frecher Mädels zu.

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Kesha
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Kesha ist mit Dance-Pop erfolgreich.
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Mit exzentrischem Auftreten und elektronischem Dance-Pop wollen sie über Nacht zum Star werden. Die Amerikanerin Kesha ist das neueste Mitglied dieser progressiven Gaga-Dance-Szene. Ihr Debütalbum «Animal», das in den USA bereits die Spitze der Charts erobert hat, ist jetzt auch in Deutschland erschienen.

«Dieser Dance-Pop wird so massiv kommen in den nächsten Monaten», kündigte der momentan gefragte Popliedtexter, OneRepublic-Sänger Ryan Tedder, im dpa-Interview an. «Es ist neu, interessant und es wird schließlich jeder machen, aber auch schnell überreizt sein.»

Die görenhaften Neulinge treffen den Zeitgeist. Sie verkörpern die Generation aufsässiger Party-Power-Girls, schocken aber mehr als Madonna und Kylie Minogue; die älteren Damen turnen und tanzen diesen von Musik und Mode geprägten Lebensstil seit Jahren vor. Auch Shakira war auf diesem Terrain mit ihrem letzten Album «She Wolf» im vergangenen Herbst relativ erfolgreich. Nun greift Kesha an.

Dem Projekt gibt die 22-jährige Kesha Rose Sebert ein Gesicht: Laszive Lippen, blonde Prachtmähne und möglichst viel nackte Haut, denn «sex sells». Sie kam in Los Angeles auf einer Party zur Welt, wuchs in der Country-Musik-Hochburg Nashville auf und ist heute eine Mischung aus Rockröhre Avril Lavigne («Complicated»), dem erfolgsgekrönten Glitzer-Cowgirl Taylor Swift («Love Story») und Party-Millionärin Paris Hilton («Stars Are Blind»).

 

Zu Keshas musikalischem Erfolg verhalf US-Produzent Lukasz «Dr. Luke» Gottwald. «Der Star des Albums ist die Produktion», sagte Tedder. «Das ist Dr. Lukes Moment. Sehr viele andere könnten das auch einsingen, aber Kesha liefert die passenden Attitüden.»

Ihre Attitüden hatte sie bereits zwei Promis ungebeten unter Beweis gestellt. Auf einer Party in Paris Hiltons Villa habe sie so viel Alkohol getrunken, sagt sie, dass sie «ein Sofa vollgekotzt» habe. Die Erlebnis verarbeitet sie im Song «Party At A Rich Dude's House». Etwas dreister war sie bei Prince. Vor zwei Jahren schlich sie sich in seine Villa und lauschte zunächst unbemerkt den Proben mit der Band, bis Prince gefragt habe: «Wie zur Hölle bist du hier reingekommen?». Bevor Sicherheitsmänner sie herauswarfen, ließ sie ihm noch eine Demo-CD da. Prince hat sich aber nie bei ihr gemeldet.

Kesha erzählt gerne solche Geschichten. «Ich habe schon immer gewusst, dass ich auf der Bühne stehen wollte», sagt die Sängerin. «Es gibt ein Video von mir, als ich fünf war: Ich war nackt und am ganzen Körper bemalt und sagte, "Ich werde ein Rockstar und niemand wird mich aufhalten!" Es ist meine Berufung.» Das Dollar-Zeichen im offiziellen Künstlernamen ist eine Berufung zum sozialen Aufstieg. Ihre alleinerziehende Mutter versuchte als Sängerin in Nachtclubs und Bars über die Runden zu kommen. Drei Songs von Kesha schrieb sie mit.

 

Nett soll auch die Geschichte über ihre Musik klingen. Sieben Jahre habe sie am Album «Animal» gearbeitet und mehr als 200 Lieder geschrieben - 15 Songs sind es schließlich geworden, kein einziger kam ohne Korrekturen ihrer Hit-Produzenten und Liedtexter aus. Ihre Handschrift klingt im punkigen Sprechgesang durch. Ihre derben Texte drehen sich um Alkoholrausch und sexuelle Anmachen junger Frauen, die so ihren Drang nach Freiheit, Spaß und Aufmerksamkeit befriedigen.

«Animal» hört sich so an, als ob Videospielheld Super Mario durch die 15 als Songs angelegten Welten gejagt wurde. «Dr. Luke» griff auf bekannte Melodien, Partien und Stile zurück, was es wiederum amüsant und eingängig macht. Dabei mischte und änderte er mehrere bekannte Stücke in einen 80er-Stil so clever ab, dass kaum erkennbar wird, an welches Lied genau es erinnert. Die Hit-Single «Tik Tok» gleicht der Melodie von Kylie Minogues Lied «Love At First»; dass Gejaule im Refrain gut ankommt, beweist Michael Jacksons «Earth Song». Vom Teenie-Pop heraus sticht der Titelsong, mit dem sich das Partygirl als ernstzunehmende Sängerin und Texterin präsentiert.

 

Weitere Mädels stehen bereits in den Startlöchern, darunter die Britin Ellie Goulding und Marina Diamandis. Doch mehr als einen Sprint werde Gaga-Dance nicht erleben, meint Pop-Rocker Tedder. «Musik ist wie Essen. Man kann sich nicht nur von Gaga-Schokoriegeln ernähren, sondern braucht auch Gemüse - richtiges Essen eben, richtige Instrumente.» Kaum ein kommerziell erfolgreiches Poplied werde diesen Sommer ohne Dance-Einflüsse auskommen - auch die Songs, die Tedder gerade für Beyoncé, Katie Perry, Adele und Cheryl Cole schuf.

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