Widerstand zwischen früher und heute: Bejarano & Microphone Mafia - "Per la vita" / La Resistance
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Karlsruhe - Die Microphone Mafia aus Köln lässt dieser Tage gleich doppelt aufhorchen. Neben der frisch formierten Polit-Rap-Crew La Resistance haben sie ein Zusammentreffen mit der den Holocaust überlebenden Musikerin Esther Bejarano und ihrer Familie auf CD arrangiert: "Per la vita" (Aldente Recordz).
Der CD-Tipp von Patrick Wurster
Die gefühlt Einmillionste Fassung der Partisanen-Hymne "Bella Ciao" scheint verschmerzbar, doch selten war sie zeitgeschichtlich so bedeutend: Denn auch dafür ging Esther Bejarano, eine der letzten Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz, die mit ihren Kindern Edna und Joram seit Jahren unter dem Namen Coincidence Musik macht, 84-jährig (!) unter die HipHoper.
Und wenn ihre gesetzte, traditionelle Folklore, mit der sie vielfach ihr Selbstverständnis als Jüdin ausdrückt, auf den Rap der drei in einem Kölner Arbeiterviertel aufgewachsenen Microphone-Mafia-Mitglieder trifft, mischt sich Orient mit Okzident, Jiddisch und Hebräisch mit Türkisch, Neapolitanisch und Kölsch, Islam mit Christentum, Tradition mit Moderne.
Wenngleich fast ebenso bekannt wie die "Schöne", aber weit weniger oft adaptiert, avanciert das mehr unter "Bandiera rossa" geläufige Arbeiterlied "Avanti Popolo" mit Schlaggitarrenuntermalung und (wie schon beim richtungsweisenden Opener "Schir La Schalom") Piano zum absoluten Gänsehauttrack des Albums. Beim mit einem von Esther Bejarano verlesenen Brief eingeleitete und vom Mannheimer Chaoze One gefeaturte "Desateur" mit seinen vorantreibenden Sythistreichern kommen die multilingualen Reime der MCs Rosario "Signore Rossi" Pennino und Kutlu "Asya" Yurtseven besonders intensiv.
Wie vielfältig der Sound auf "Per la vita" sein kann, zeigt vielleicht am besten "Viva La Verita", das zwischen fast schon poppigem Refrain, Zupfinstrumeneinlagen, mehrstimmigen Frauenchorparts und einem einschneidenden Kontrabass schwelgt. Die Beats halten sich bei allen elf Stücken dezent zurück, während die vielfach sehr eingängigen Strophen meist im Refrain durch folkloristische Parts gebrochen sind, sich aber trotzdem durchweg als ausgewogene Einheit präsentieren.
Ganz im Hier und Jetzt verwurzelt ist dagegen das zweite Projekt der Mic Mafia. Es ist nicht alles Aggro-Gangsta in HipHop-Deutschland, das Conscious-Rap-Gegengewicht legt jetzt ordentlich nach: Anarchist Academy ist wieder im Haus! Zwar ohne Hannes Loh, aber nicht alleine: Das Wort haben La Resistance. Zusammen mit Signore Rossi, Asya und DJ Ra, Chaoze One, Callya sowie der Female-Fraktion um Lotta C und Shana Supreme samt Latimo von Meditias bilden Deadly T. und Bütti die neue Polit-Rap-Crew.
"Wir machen das", eine durch und durch fröhliche "Auf geht's!"-Nummer, atmet wie das gesamte Album viel vom subversiven Geist der Erste-Stunde-Rapper aus dem Sauerland. Auch Chaoze One hinterlässt deutliche Spuren in den Tracks; da sind gepitchten Voices wie in "I Who Have Nothing" nur ein gern genommenes Stilmittel und allein das von ihm und Lotta C aufmunternd intonierte "Wofür es sich lohnt" Grund genug, sich dieses Album zuzulegen!
Etwas aus der Reihe mit seinen dominierenden Streichern tanzt der Titeltrack, der sich ebenso auf der Bejarano-Scheibe gut gemacht hätte. In den übrigen 13 Stücken nehmen die frisch formierten Widerständler Nazis ("Kein Platz in der Stadt"), Überwachungsstaat ("Mensch aus Glas"), falsch Verstande Begrifflichkeiten ("Heimat"), kranke Gesellschaft ("Alienbesuch") und Hire-und-Fire-Turbokapitalismus ("Nur eine Nummer") ins Visier und lassen zum Finale passenderweise das musicalartige Medley "La Resistance" vom "South Park"-Movie skandieren. Auch wenn Kanada ausnahmsweise mal nichts für kann.
www.resistancemovement.netwww.myspace.com/laresistancerap
www.microphone-mafia.com
www.myspace.com/testanera
www.aldenterecordz.de




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