Aussöhnung: Götz Widmann - "Böäöäöäöäöä"
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Auf seiner mittlerweile fünften Solo-CD macht der Bonner Liedermacher zum zweiten Mal auf "Drogen" (ka-news berichtete), spielt seine (diesmal ausschließlich neuen!) Songs live, alle aufgenommen bei der zurückliegenden Tour. Und er fängt dabei das ein, was den Freigeist auf der Bühne (auch) so besonders macht: Seine Spontanität. Zurufe aus dem Publikum kontert Widmann mit einem Lacher aus dem Ärmel. Seine Konzerte sind heitere Anekdotenrunden in Wort (hier dokumentiert durch gleich fünf Liedansagen mit Stand-Up-Comedian-Qualitäten) und Gitarre, quittiert von Gejohle und Geschrei.
Der CD-Tipp von Patrick Wurster
Die Musik bleibt aber freilich Hauptsache und schon beim ersten Stück ist klar, dass wieder gut ist mit dem Schmusekurs: "Böäöäöäöäöä" röhrt er in bester "Dispo"-Manier, da schlägt einem der Lebensfrust aus den Stahlsaiten entgegen, um der Lust frischen Boden zu bereiten. Das "Kornfeld und der Wind" und "Die traurige Königin" heißen die ruhigeren Stücke für glücklich wie unglücklich Verliebte, aber unbekümmerte Heiterkeit herrscht vor: Man ist "Unfreiwillig nackt im Web" und zupfend besingt Widmann den genetischen Fortschritt: "Die dritte Hand", eine Nummer zehrend von Ideenreichtum, schrägen Phantasien und Pointen, die einem gleich mehrfach ein verschmitztes Lächeln ins Gesicht zaubern.
Er erzählt Geschichten aus 15 Jahren Tour; vom ungereinigten Dasein eines "Kleinen Bühnenmikrofons" etwa (jetzt weiß auch der unbedarfte Laie, was ein Shure SM58 ist), dazu gibt's neue Wahrheiten über Traumfrauen (die im Idealfall dem Gegenteil der französischen Feministin "Simone de Beauvoir" gleichkommen) und Widmann widmet seinem Liedermacherkollegen und "Lieblingsmonster" Rüdiger Bierhorst aus Berlin (ka-news berichtete) sein erstes Liebeslied mit männlichem Adressaten.
Die musikalisch anspruchsvollste und vielschichtigste Nummer ist die Hippiehymne "Ich durfte leben ohne Soldat gewesen zu sein". Der Gitarrero holt aus der Leise-laut-Bandbreite seines Instruments raus, was geht und nach den Kriegsdienstverweigerern darf sich ein anderer fürs kollektive Glück immanent wichtiger Personenkreis in "Wie ich eine Frau war"-Höhenlagen loben lassen: die "Fahrer". Dem Dichter im Denker gebührt das letzte Wort und der konterkariert zweizeilig reimend das Unwort der "Klimakatastrophe": "Lebensabend unter Palmen, Leute lasst den Schornstein qualmen! CO2 - ich bin dabei." Weil schöne Aussichten nicht zwingend etwas mit Jogis Jungs zu tun haben müssen...




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