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Karlsruhe Harrys KSC-Sportschau: Stadion-Zoff im Rathaus - will es die Stadt überhaupt?

Es ist wieder Mittwochnachmittag: Zeit für "Harrys KSC-Sportschau" - der KSC-Kolumne auf ka-news. Es sollte bloß eine Übergabe von Unterschriften sein, doch es wurde zu einem Riesen-Zoff im Rathaus: Oberbürgermeister Frank Mentrup nutzte dieses Forum, um den KSC abzuwatschen, weil dieser in den letzten Tagen verstärkt einige noch ungeklärte Punkte angemahnt hatte - unter anderem das Thema Parkhaus. Dem KSC in der Stadionfrage den "schwarzen Peter" zuzuschieben, ist nicht fair, findet Harald Linder.

Liebe Fußballfreunde,

in der vergangenen Woche habe ich an dieser Stelle meine Zweifel angemeldet, dass das von Stadt und KSC gewünschte neue Stadion tatsächlich schon in trockenen Tüchern ist. Meine Zweifel wurde bestätigt, denn kaum war die Tinte unter der gemeinsamen (wohl gemerkt "gemeinsamen") Pressemitteilung von Stadt und KSC über den Bau des neuen Wildparks trocken, traten wieder Differenzen zutage, die am vergangenen Montag im Rathaus eskalierten.

Es begann alles mit einer Unterschriftenliste...

Dort wollte der KSC lediglich die Unterschriftenlisten überbringen, in denen sich rund 23.000 Unterzeichner für den Bau eines neuen Wildparkstadions ausgesprochen haben. Was eine zusätzliche Unterstützung für die gemeinsamen Stadionpläne hätte sein sollen, geriet aber schnell zur Nebensache, denn Oberbürgermeister Frank Mentrup nutzte dieses Forum, um den KSC abzuwatschen, weil dieser in den letzten Tagen verstärkt einige noch ungeklärte Punkte angemahnt hatte, die nach Meinung der KSC-Führung anders vereinbart waren, als dies von der Stadtverwaltung letztlich interpretiert wurde.

Unter anderem ging es um das Thema Parkhaus auf dem Birkenparkplatz, die Art und Weise wie sich der KSC an künftigen Instandhaltungskosten beteiligen soll und auch darüber, in welchem Zeitraum die Refinanzierung dieses Stadions - Gesamtkosten auf 88 Millionen Euro - erfolgen soll. Der Oberbürgermeister schalt den KSC dabei öffentlichkeitswirksam, seine Interessen über die Presse verbreitet zu haben.

Er kritisierte auch, dass in der Mitgliederversammlung des Zweitligisten, dessen Präsident Ingo Wellenreuther den anwesenden KSC-Mitgliedern die Stadionpläne per Video-Animation kundgetan hatte. Und glaubt man den anschließenden Presseartikeln, hat Mentrup auch darauf hingewiesen, dass der KSC - wie schon einmal vor sieben Jahren - dabei sei, die Stadionpläne durch seine Forderungen platzen zu lassen.

So weit, so gut. Mentrup demonstrierte Stärke und KSC-Präsident Ingo Wellenreuther musste (mal wieder) als Buhmann herhalten. Aber stimmte es denn auch alles, was der Rathauschef dem KSC da vorgeworfen hat oder ging es eher darum, dem Gemeinderat und der Öffentlichkeit zu zeigen: "Seht her, ich bin derjenige, der beim Stadionbau das Heft in der Hand hat!"?

Lassen wir die Fakten sprechen:

  1. In der  gemeinsamen Pressemitteilung vom 2. Oktober  steht an keiner einzigen Stelle, dass das Parkhaus auf dem Birkenparkplatz nicht mehr gebaut wird. Im Masterplan 4, der als Grundlage für den Stadionbau so vereinbart war, ist es aber enthalten. Dass es nicht mehr gebaut werden soll, wurde erst später von den städtischen Planern so verfügt. Dem hat der KSC nachweislich in mehreren Briefen und E-Mails widersprochen und auf die Vereinbarung aus dem Masterplan hingewiesen. Vielleicht kann man dieses Parkhaus tatsächlich einsparen, aber im Masterplan 4 ist es auf jeden Fall enthalten.
  2. In der gemeinsamen Pressemitteilung ist davon die Rede, dass sich der KSC zukünftig an Instandhaltungskosten bis zu 1,3 Millionen Euro beteiligt. Betonung auf "bis zu". Nach Informationen von ka-news soll aber in einer Rechnung von Stadtkämmerer Torsten Dollinger das Wort "bis zu" gestrichen worden und Instandsetzungskosten von 1,3 Millionen Euro und mehr aufgerufen worden sein. Dass der KSC diese "Neufassung" der in der gemeinsamen Pressemitteilung enthaltenen Vereinbarung nicht einfach akzeptieren wollte, scheint mir legitim.
  3. Dass die KSC-Mitglieder das Recht haben, von ihrem Präsidium über den Stand der Stadiongespräche so umfassend wie möglich unterrichtet zu werden, dürfte doch unter Demokraten unstrittig sein. Und in der Mitgliederversammlung vom 6. Oktober wurde nichts anderes getan, als darüber zu berichten, was in der gemeinsamen Pressemitteilung stand. Dazu erläuterte Ingo Wellenreuther auch die Knackpunkte, die seiner Meinung nach noch zu klären seien. Und die Video-Animation wurde vom KSC-Präsidenten ganz eindeutig als eine "Animation" und nicht als Stadionplanung gekennzeichnet. Meiner Meinung nach eine richtige Vorgehensweise, den Mitgliedern und damit dem Souverän des Vereins die Politik seiner Vereinsführung transparent und bewertbar zu machen.
  4. Herr Mentrup soll (so der dies am Montag tatsächlich gesagt hat) darauf hingewiesen haben, dass die Gefahr bestünde, dass der KSC - wie schon einmal vor sieben Jahren - die Stadionpläne platzen zu lassen könne. Woher weiß der Oberbürgermeister denn eigentlich, was vor sieben Jahren tatsächlich die Stadionpläne zum Platzen brachte? Herr Mentrup war damals weder im Amt noch sonstwie in der Karlsruher Kommunalpolitik tätig. Nach wie vor gibt es da sehr unterschiedliche Lesarten zwischen dem, was von der Stadt Karlsruhe dazu gesagt wird und was von den damals Verantwortlichen des KSC an Gründen für das Scheitern genannt wird. Und die Behauptung, dass der KSC der Schuldige sei, wird nicht dadurch wahrer, indem man sie ständig wiederholt. Vielleicht sollte Herr Mentrup auch mal bei den damaligen Verantwortlichen im Wildpark nachfragen, ob diese seinerzeitige "Einigung" nicht deshalb gescheitert ist, weil die Forderungen, die von der Stadt im Anschluss an die damals vom einstigen Oberbürgermeister Heinz Fenrich und dem damaligen KSC-Präsidenten Hubert Raase verkündete Vereinbarung erhoben wurden, für den KSC deshalb nicht erfüllbar waren, weil dies den Verein in den Ruin getrieben hätte.

KSC bekommt Stadion nicht "geschenkt"

Dem KSC in der Stadionfrage den "schwarzen Peter" zuzuschieben kommt zwar bei all denen gut an, die nichts mit Fußball, gar nichts mit dem KSC und sowieso nichts mit Herrn Wellenreuther am Hut haben, geht aber an der Wirklichkeit vorbei und unterschlägt die Tatsache, dass es der KSC ist, der den hauptsächlichen Beitrag zur Refinanzierung dieses Stadions in den nächsten drei oder vier Jahrzehnten durch Pachtzahlungen und weitere Leistungen der Stadt gegenüber leisten wird, ohne dass er Eigentümer dieser Immobilie ist.

Mir ist keine andere städtische Immobilie bekannt, die über die Pacht, zu leistende Instandsetzungskosten und weitere Leistungen weitgehend vom Pächter refinanziert wird. Das neue Schauspielhaus für 120 Millionen Euro wird komplett von Stadt und Land finanziert und auch erhalten.

Deshalb sollte man beim Stadion die Kirche im Dorf lassen und nicht immer davon reden, dass der KSC ein solches "geschenkt" haben möchte. Und auch was die Kritik an Ingo Wellenreuther anbelangt, ist diese nicht unbedingt fair. Sicher agiert der KSC-Clubchef nicht immer als Super-Diplomat, aber er vertritt mit allem Nachdruck die Interessen seines Vereins und genau das ist ja schließlich seine Aufgabe.

Will die Stadt den Profifußball überhaupt?

Ob es der Sache deshalb sehr dienlich war, dass der Oberbürgermeister am Montag die komplette KSC-Führung, die ja aus durchaus honorigen Mitgliedern besteht, nebst Sportdirektor, Cheftrainer und Mannschaftskapitän in der Öffentlichkeit dermaßen bloßzustellen, auch wenn das im Hinblick auf die Gemeinderatssitzung am kommenden Dienstag möglicherweise sogar kalkuliert war, wage ich zu bezweifeln.

Und so harre ich gespannt dieser Gemeinderatssitzung im Karlsruher Rathaus, wo es nicht nur darum geht, über den Neubau des Wildparkstadions zu entscheiden, sondern auch darüber, ob diese Stadt überhaupt Profifußball - und damit den KSC - in ihren Mauern haben will.

Meint jedenfalls

Ihr Harald Linder

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ka-news-Kolumne: Harrys KSC-Sportschau: Jeden Mittwochnachmittag beleuchtet unser Autor Harald Linder in der ka-news-Kolumne "Harrys KSC-Sportschau" verschiedene Themen rund um den Karlsruher SC. Der einstige Chefredakteur des Kurier ist nach seiner Pensionierung mittlerweile als freier Publizist, unter anderem auch für ka-news, tätig und hat für seine Sportkommentare, die sich überwiegend mit dem KSC beschäftigen, schon einige Auszeichnungen erhalten.
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Kommentare (78)
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  •   Tyr
    (334 Beiträge)

    16.10.2014 16:38
    Ekelhaft was Linder da von sich gibt
    wie kann er nur so frech hier herumlügen und versuchen den OB, der absoluter Fan und Förderer des KSC ist und ein Stadion bauen will, mit seiner unverfrorenen CDU-Propaganda zu besudeln, RAUS mit diesem Subjekt
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  •   ElKonsolero
    (982 Beiträge)

    16.10.2014 17:25
    Fan und Förderer?
    Soweit ich weiß is Mentrup Schrottgartfan. Man muss ihm zugute halten, dass er nicht so abweisend wie Fenrich dem KSC gegenüber steht. Trotzdem wird auf beiden Seiten teilweise mit härteren Bandagen gekämpft als notwendig.

    Wo Mentrup ein Förderer und Fan sein soll ist mir ein wenig schleierhaft. Er hat sich recht schnell dem Wildpark angenommen, dennoch is bisher noch nix bei der DIskussion rumgekommen.
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  • 0
    unbekannt
    (19 Beiträge)

    16.10.2014 17:07
    wie bitte?
    " Mentrup ein Fan und Förderer des KSC" - höchstens ein Beförderer in die Landesliga!
    "er will dem KSC ein Stadion bauen" - er muss! Das ist sein Job wofür er bezahlt wird und dann hat er ja auch noch seine Wiederwahl im Hinterkopf.
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  • 0
    unbekannt
    (19 Beiträge)

    16.10.2014 16:31
    Fenrich/Mentrup vs. KSC
    Auf dem Spielplan steht seit bald zehn Jahren das für den KSC nicht zu gewinnende Match gegen die eigenen Oberbürgermeister mit ihren eisenhart verteidigenden Stadträten.
    Taktisch überlegen, überziehen sie den KSC immer wieder mit neuen Flügelzangen und Finten. Ein immerwährender Albtraum!
    Wenn man solche Lokalpolitiker hat, erschrecken einen zwar auch die Hooligans und Ultras der anderen Gästemannschaften nicht mehr, aber die Partie wird wohl erst abgepfiffen, wenn der KSC die weiße Fahne schwenkt, Insolvenz anmeldet und dann in der Landesliga gegen die alten Herren der Bundestagsauswahl spielt!!!!!
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  •   roland
    (91 Beiträge)

    16.10.2014 15:18
    neutral?
    seid nicht so böse zu Harald wellenreuther...
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  •   stefko
    (1782 Beiträge)

    16.10.2014 14:46
    Loooool
    "Geld ist Energie und wenn man Geld ausgibt, kommt auch wieder Geld zurück."

    Loool, also wenn Du das bewiesen bekommst und veröffentlichst, ist Dir der Physik- UND der Wirtschafts-Nobelpreis sicher.
    Ansonsten reicht's leider nur für einen Comedy-Preis - den "ka-news-Lacher des Tages" zwinkern
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  •   Joker1894
    (3060 Beiträge)

    16.10.2014 20:03
    ..
    Das ist bereits bewiesen...vorhandenes Wissen nur sind die Menschen zu blöd, dieses zu glauben und anzuwenden.
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  •   stefko
    (1782 Beiträge)

    17.10.2014 09:40
    Ach Bübchen ...
    ... hör doch auf Dich hier zum Deppen zu machen, oder erklär mir mal bitte wie man Euro, Yen oder Dollar in Joule umrechnet - und nein, der Brennwert zählt nicht zwinkern
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  •   ElKonsolero
    (982 Beiträge)

    16.10.2014 17:14
    Der Satz
    hört sich irgendwie wie das Geblubber von diesen Astro-Abzockern im Fernsehen an ^^
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  •   Joker1894
    (3060 Beiträge)

    16.10.2014 12:42
    ...
    Die Stadt hat Geld für Theater, Wildpark UND U-Strab! Der Euro ist eh bald hinüber, die Staatsverschuldung wächst sekündlich also wieso wird hier überhaupt debattiert wegen 100 Millionen? Geld ist Energie und wenn man Geld ausgibt, kommt auch wieder Geld zurück.
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