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Karlsruhe Zukunft des KSC: Neues Stadion und Jugendförderung

Präsident Ingo Wellenreuther hat beim Karlsruher SC die Diskussion um das in weiten Teilen marode Wildparkstadion wieder angestoßen.

"Spätestens nach dem Spiel gegen Frankfurt ist für alle Beteiligten klar, dass das Wildparkstadion insbesondere aus Sicherheitsgründen keine Zukunft hat. Punkt, Aus, Amen!", sagte der Bundestagsabgeordnete auf einer Veranstaltung des Wirtschaftsrats in Karlsruhe. Im Rahmen der Zweitligapartie in der abgelaufenen Saison gegen die Frankfurter Eintracht hatten rund 400 Fans des Fußball-Drittligisten den Kassenbereich des Stadions und die Ordnungskräfte einfach überrannt.

Auch die Vermarktung des KSC bliebe wegen der Stadionsituation weit hinter den Möglichkeiten zurück, so Wellenreuther. "Wenn man aber dem Verein keine Chance gibt, Einnahmen zu generieren, dann geht der Verein kaputt. Oder er ist nicht mehr konkurrenzfähig. Das ist die einfache Konsequenz, auf die wir hinweisen", sagte er. "Bei einem neuen Stadion steigt der Zuschauerschnitt in der Regel um 10.000 Zuschauer, weil jeder den Neubau sehen möchte. Das ist eine Art 'Arenaeffekt'", erklärte Felix von Löbbecke vom Vermarkter "Sportfive".

"Ich bin mir sicher, dass es einen geeigneten Standort gibt"

Wellenreuther erklärte, er sei sich bewusst, dass der finanziell klamme Drittligist nichts zu fordern habe. "Und wir fordern auch nichts. Aber wir weisen darauf hin, dass es auf Dauer so nicht mehr geht. Die allem vorgelagerte und entscheidende Frage ist die: Wollen wir in Karlsruhe künftig noch Profi-Fußball sehen", sagte er. Wenn man sportliche Spitzenleistungen sehen wolle, dann müsse man eine entsprechende Sportstätte bauen.

Die bisherigen Finanzierungspläne hält der ehemalige Richter allerdings nicht für realisierbar. "Wir sollen vier oder viereinhalb Millionen Euro Miete bezahlen und das Stadion dadurch finanzieren. Wie soll das gehen? Das ist Irrsinn, das klappt nicht", kritisierte er. Eine Stadt müsse sich auch entscheiden, ob sie Theater sehen wolle oder nicht. "Und dann sind es nicht die Schauspieler, die das Theater bauen", sagt er.

Die Diskussion um den Neu- oder Umbau des Karlsruher Stadions wird schon seit den 90er Jahren erfolglos geführt. Zuletzt scheiterte eine Lösung auf kommunalpolitischer Ebene vor rund drei Jahren. Politisch hält Wellenreuther, der bei der OB-Wahl im Dezember als Nachfolger von Oberbürgermeister Heinz Fenrich (CDU) kandidiert, nicht für völlig festgefahren. Jahrelang sei es zwar vorranging darum gegangen, wer Recht habe oder ob der KSC sich mehr beteiligen müsse. Er glaube aber, dass im nächsten Jahr die Zeit reif sei "dass man völlig unaufgeregt noch einmal alle Argumente sammelt" und "dass die vernünftigen und verantwortungsvollen Menschen in der Karlsruher Politik dann auch eine gute Entscheidung treffen werden". Er sei sich sicher, dass es einen geeigneten Standort gibt, so Wellenreuther.

Neben der Stadionfrage erläuterte der KSC-Präsident im Rahmen der Veranstaltung zum Thema "Zukunft des KSC" weitere wichtige Punkte für die Planungen der kommenden Jahre. So war der Abstieg nicht nur aus sportlicher Sicht ein Niederschlag, sondern auch aus finanzieller. Verdeutlicht an einigen Zahlen: In der ersten Liga erhält jeder Verein zwölf bis 14 Millionen Euro aus Fernsehgeldern. In der zweiten Liga zwischen 3,8 und 5,5 Millionen Euro (KSC ca. 4 Millionen Euro). In der neuen Drittligasaison gibt's für die Blau-Weißen gerade einmal noch 700.000 Euro. Diese Mindereinnahmen finden direkten Niederschlag im Lizenzspieler-Etat, der von sieben Millionen Euro in der vergangenen Saison auf vier Millionen Euro herabgestuft wurde.

Doch Wellenreuther hatte auch Positives zu berichten: der neue Fanshop mit integriertem Ticketingcenteröffnet am Sonntag im Rahmen des Familientags seine Pforten, der 20 Jahre alte Kunstrasenplatz wurde ausgetauscht (Kosten 220.000 Euro) und auch das Nachwuchsleistungszentrum, das der KSC im vergangenen Jahr in Betrieb nahm (Kosten 1 Million Euro), ist ein wichtiger Baustein zur Zukunftssicherung des KSC. Dazu rollt ein neuer Mannschaftsbus über die Straßen und die Jugendabteilung erhielt sechs weitere Kleinbusse.

Gerade die Jugend hat beim KSC einen sehr hohen Stellenwert. Denn aufgrund der leeren Kassen wird man zukünftig verstärkt auf den eigenen Nachwuchs setzen und diesen an den Profikader heranführen. Schon jetzt finden sich zahlreiche Eigengewächse im Drittligakader: Sebastian Schiek, Hakan Calhanoglu, Kevin Akpoguma oder Silvano Varnhagen. 1,3 Millionen Euro investiert der Verein jede Saison in den Fußballnachwuchs, um dafür zu sorgen, "dass talentierte Spieler aus der Region zum KSC kommen und nicht nach Stuttgart oder Hoffenheim gehen", so Wellenreuther.

Dieser Artikel wurde nachträglich bearbeitet und ergänzt.

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