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Karlsruhe Marco Engelhardt – sein persönlicher Neuanfang beim KSC

Er ist eine Art Reizfigur beim Karlsruher SC. Doch dem stellt sich Marco Engelhardt, der sogar signalisiert, auf Gehalt zu verzichten, um dem Verein weiterhin helfen zu können. Mit "Engel" sprach Peter Putzing.

Wie geht es Ihnen nach der Lungenerkrankung? Sie waren ja bereits Ende der Saison wieder im Kader.
Danke mir geht es sehr gut! Die damalige Diagnose war natürlich ein Schock. Gerade in den schwierigen Wochen meines Vereins tatenlos zusehen zu müssen, war mehr als bitter, zumal es mir ja körperlich eigentlich nie schlecht ging. Aufgrund der Antibiotikabehandlung konnte ich einfach nicht trainieren und war somit außen vor. Die letzten Wochen bin ich dann, nach einem intensiven Aufbautraining, wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen und war dann die letzten beiden Spielen auch wieder im Kader. Mittlerweile bin ich absolut fit. Auch im Urlaub habe ich individuell trainiert. Jetzt freue ich mich auf die neue Saison und darauf wieder angreifen zu können!

Was bedeutet der Klassenerhalt für Sie?
Nicht nur für mich bedeutet der Klassenerhalt sehr viel, sondern für den Verein, die Stadt, die ganze Region und unsere tollen Fans war es enorm wichtig die Klasse zu halten. Ich persönlich bin mit Unterbrechung insgesamt sechs Jahre beim Karlsruher SC und habe 140 Spiele für den KSC gemacht. Ich fühle mich zu hundert Prozent als Karlsruher. Karlsruhe wird auch nach meiner Karriere mein Lebensmittelpunkt sein.

Was war für Sie ausschlaggebend, dass der KSC es nach dieser turbulenten Saison doch noch geschafft hat in Liga zwei zu bleiben?
Da haben mehrere Faktoren und Personen eine Rolle gespielt. Fußball ist ein Mannschaftssport und gemeinsam im Kollektiv haben wir dieses Ziel erreicht. Sicherlich einen Löwenanteil hat unser Trainer Rainer Scharinger. Er hat es in kürzester Zeit geschafft Struktur in die Mannschaft zu bringen und vor allem im taktischen Bereich viel zu verbessern. Scharinger ist ein akribischer Arbeiter. Wir haben viele Trainingseinheiten, aber auch Videositzungen und Teambesprechungen abgehalten - das war auch notwendig. Er hat die sportliche Grundlage für den Klassenerhalt gelegt. Seine Philosophie von Fußball zu spielen und zu leben liegt mir. Ebenfalls einen großen Anteil hat unser neues Präsidium, das nach all den Turbulenzen im Hintergrund erst die Möglichkeiten geschaffen hat, damit wir auch wirtschaftlich die Klasse halten konnten. Auch was die Außendarstellung des Vereins angeht, hat das neue Präsidium um Ingo Wellenreuther den KSC wieder auf Kurs gebracht. Und zu guter letzt haben unsere Fans und das ganze Umfeld einen großen Anteil, dass wir es gepackt haben. Karlsruhe ist fussballverrückt! Nicht nur im letzten Spiel hat man das gemerkt. In Sachen Support sind wir in der Liga weit vorne.

Der KSC baut kräftig um. Was halten Sie von diesem Umbruch?
Das finde ich richtig und mutig vom Präsidium. Der KSC braucht ein neues Gesicht. Unser Kader war zuletzt extrem aufgebläht, so dass es auch für ein Trainerteam schwierig ist damit zu arbeiten. Die neue Philosophie auf junge hungrige Spieler, gepaart mit wenigen erfahrenen älteren Profis zu setzen finde ich gut. Ich bin mir sicher, dass wir nächste Saison eine schlagkräftige Truppe zusammen bekommen. Wir wollen unseren Fans attraktiven Offensivfußball bieten. Wie unser Präsident Ingo Wellenreuther diesen Umbau mutig und mit Elan voran treibt bewundere ich. Er nimmt viele Dinge selbst in die Hand.

Wie sehen Sie denn Ihre Rolle dabei?
Ich freue mich auf meinen persönlichen Neuanfang! Nach meiner Krankheit freue ich mich umso mehr endlich wieder meinen Teil zum Ganzen beizutragen. Wie gesagt, ich trainiere, bin fit und hoch motiviert. Ich hatte bereits in den letzten Trainingseinheiten das Gefühl, dass der Trainer mir vertraut. Dieses Vertrauen möchte ich mit Leistung zurückzahlen. Ich bin bereit Verantwortung zu übernehmen. Da ich selbst mal junger Spieler war, weiß ich, wie wichtig es ist, wenn Verantwortung und Druck auf den Schultern älterer und erfahrener Spieler verteilt werden. Genau darin sehe ich meine Rolle. Ich möchte helfen dieses junge Team mit zu entwickeln und meinen Part dazu beitragen, dass wir Erfolg haben. Bei mir waren es damals Spieler wie Torsten Kracht, Bernhard Trares oder Bruno Labbadia, die diese Rolle übernommen haben. Aus dieser Zeit weiß ich, wie wichtig es ist, dass man gestandene Spieler in der Mannschaft hat, die im richtigen Moment den Mund aufmachen oder auch auf dem Platz mal ein Zeichen setzen. Ich finde es gut, dass die Vereinsführung erkannt hat, dass es nur mit jungen auch nicht geht, sondern die richtige Mischung wichtig ist.

Sie waren in der letzten Saison ab und an in der Kritik. Wie schätzen Sie das ein?
Die Kritik der Fans in der Vergangenheit konnte ich nachvollziehen. Ich habe es nicht immer geschafft, mein Potenzial abzurufen. Sicherlich wurde ich auch teilweise kritischer gesehen, als andere, aber damit kann und muss ich professionell umgehen. Wir sind Profis und werden für unseren Job gut bezahlt, da muss man auch damit leben kritisiert zu werden. Wie gesagt, ich bin kritikfähig. Und ich bin bereit mir das Vertrauen der Fans zurück zu erarbeiten.

Welche Ziele haben Sie noch mit dem KSC - und mit Ihrer Karriere?
Das letzte Jahr war ein schwieriges Jahr, das Präsidium hat gewechselt, Trainer kamen und gingen, sportlich lief es nicht. Natürlich will keiner so eine Saison noch einmal erleben. Deshalb gilt es für uns alle beim KSC im Kollektiv kontinuierlich zu arbeiten, damit wir nächste Runde besser abschließen. Wir sind in der Führung und im Trainerteam gut aufgestellt und wir werden eine homogene Mannschaft haben. Wir sind ein Verein mit bescheidenen Mitteln und da ist es ganz klar: Es geht nur gemeinsam! Am liebsten würde ich meine Karriere erfolgreich beim KSC beenden – ein Traum wäre natürlich irgendwann wieder in Liga eins aufzusteigen. Aber daran denken wir aktuell nicht.

Sie haben noch ein Jahr Vertrag beim KSC. Wie man hört, soll das ein Vertrag sein, sehr gut dotiert ist...
Richtig ich habe noch ein weiteres Jahr Vertrag beim KSC. Es gibt sicherlich bessere Verträge in der 2. Bundesliga als meinen, aber auch bestimmt schlechtere. Ich hatte bereits ein gutes Gespräch mit dem Präsidium. Ich habe signalisiert, dass ich offen dafür bin, eventuell auch auf Gehalt zu verzichten. Wir sind so verblieben, dass wir in Ruhe sprechen, wenn die sportliche Situation geklärt ist. Das Gespräch findet in den nächsten Wochen sicher statt. Ich bin mir sicher, dass wir hier kurzfristig eine Lösung finden. Ich bin auch bereit meinen Anteil zur Konsolidierung des Vereins beizutragen.

Dazu soll auch Oliver Kreuzer als neuer Sportchef beitragen. Was sagen Sie zu dessen Verpflichtung?
Ich bin der Meinung, dass das eine sehr gute Wahl ist. Ich kenne ihn nicht persönlich, allerdings habe ich aus der Ferne verfolgt, was er mit Graz geleistet hat und das verdient größten Respekt. In Österreich mit einem vermeintlichen "Underdog" Meister zu werden und sich gegen Vereine mit viel größeren finanziellen Mitteln, wie Red Bull Salzburg, durchzusetzen ist eine große Leistung. Zudem kennt er Karlsruhe und das Umfeld.

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