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Karlsruhe KSC-Akteur Timo Staffeldt: "Die Mannschaft weiß, dass sie alles investieren muss"

Timo Staffeldt gehört zum Inventar des Karlsruher SC. Seit 14 Jahren spielt er für die Badener. Vor der laufenden Saison stand er jedoch kurz vor der Arbeitslosigkeit, war vertragslos. Nur auf Intervention von Ex-Trainer Ede Becker erhielt der Mittelfeldallrounder nochmals einen - stark leistungsbezogenen - Vertrag im Wildpark.

Jetzt scheint der lockere, immer für einen Spruch gute Staffeldt, die nötige Ernsthaftigkeit für den Profifußball entwickelt zu haben. Staffeldt scheint zur Führungsperson gereift. Seit zwei Spieltagen gehört er zur Startelf - seither ist der KSC ohne Gegentreffer, gar ohne Punktverlust. Mit dem KSC-Dauerbrenner sprach Peter Putzing.

ka-news: Herr Staffeldt, kann man sagen: Timo Staffeldt ist der "Mann der Stunde"?
Staffeldt: Nein. Die Mannschaft ist für den Aufschwung verantwortlich.

ka-news: Aber Sie gehören seit zwei Spieltagen wieder zur Startelf - und seither gewinnt der KSC!
Staffeldt: Ich habe zu diesem Umschwung meinen Teil beigetragen und ich bin froh, dass es bei uns wieder klappt. Aber ich gewinne die Spiele nicht alleine. Nochmals: Diese Erfolge sind Teamerfolge.

ka-news: Aber mit Ihrem Auftreten in diesen zwei Spielen, mit Ihrer persönlichen Leistung sind Sie doch sicher sehr zufrieden?
Staffeldt: Ja, ich bin absolut zufrieden. Es passt im Moment alles.

ka-news: Haben Sie irgendetwas geändert in diesen Wochen, die Sie auf der Auswechselbank verbringen mussten? Sportlich oder auch privat?
Staffeldt: Ich habe mir immer sehr viele Gedanken gemacht. Was kann ich verbessern? Wo kann ich zulegen? Aber seit ein paar Wochen habe ich mir gesagt: Timo - hinterdenke dich nicht, mach einfach. Und jetzt läuft es.  

ka-news: Sie treten aber mit großem Selbstvertrauen auf. Sie scheinen die Rolle, dass sie Führungsaufgaben auf dem Platz zu übernehmen haben, gerne auszufüllen. Sie dirigieren und führen. Man sieht das am jungen Matthias Zimmermann, der sich mit Ihnen nahezu blind versteht - und ihre Anweisungen befolgt.
Staffeldt: Wenn man älter wird, übernimmt man ganz automatisch mehr Verantwortung. Wir haben eine junge Mannschaft und ich erinnere mich immer daran, dass ich als junger Spieler auch froh war, wenn mir ein "alter Hase" Tipps gab. Zudem hat mir der Trainer gesagt, dass er es sich erhofft, dass ich das mit den Routiniers Alexander Iashvili, Godfried Aduobe und Markus Miller mache. Es fehlten ja zuletzt erfahrene Spieler wie Michael Mutzel oder Marco Engelhardt. Ich soll die Jungen führen, ich versuch es.

ka-news: Bei Matthias Zimmermann klappt das richtig gut. Sie helfen einander optimal. Ist das Zufall?
Staffeldt: Wir haben die gleiche Auffassung über den Fußball, dann ist das die einfachste Sache der Welt. Er ist noch sehr, sehr jung - er hat unser volles Vertrauen, und er weiß, dass er sich auf mich verlassen.kann. Wenn Matthias in die Offensive geht dann bleibe ich, sichere ihn ab. Das hilft seinem Spiel. Er ist in einem Lernprozess – aber wir ergänzen schon jetzt gut. Er hält aber auch mir mit seiner Zweikampfstärke den Rücken frei.

ka-news: Nach der Partie gegen Augsburgs sagten Sie: Es muss erst hart auf hart kommen, dass es bei einigen "klick" macht.
Staffeldt: Es ist komisch, aber bei manchen Spielern muss etwas Negatives passieren ehe es "klick" macht…

ka-news: Bei Ihnen auch?
Staffeldt: Sagen wir so, ich kannte diese Situation bereits aus der vergangenen Saison, als es in der ersten Bundesliga immer mehr bergab ging. Ich wusste wie so ein Negativlauf enden kann, insofern war dies nicht neu für mich. Wir haben darüber mannschaftsintern lange geredet. Wir machten uns klar, dass wir viele Torchancen hatten aber zu viele auch zugelassen haben.

ka-news: Und die Spieler, die etwas brauchten ehe es "klick" machte, sind?
Staffeldt: Wir haben mannschaftsintern miteinander gesprochen, dabei bleibt es. Es ist jetzt jedem klar, dass wir gut stehen müssen und dass wir diese Effektivität, die wir zuletzt zeigten, unbedingt brauchen.

ka-news: Markus Miller sagte: Wir haben lange gesucht, jetzt haben wir endlich das System gefunden, das zu uns passt. Dieses System sieht von außen so aus, dass Timo Staffeldt bei Ballverlust sofort als dritter Sechser im Mittelfeld agiert.
Staffeldt: Das mit dem dritten Sechser sehe ich nicht ganz so. Natürlich interpretiere ich meine Position als Außenspieler nicht so offensiv wie ein Ribery, aber ich denke auch nicht nur defensiv. Markus meinte die ganze taktische Ausrichtung, dass wir einfach defensiver denken, kompakter und tiefer stehen. Wir rennen nicht mehr blind vorne drauf, sondern warten mehr ab, verschieben gut.

ka-news: Jetzt stehen noch acht Zweitligapartien bevor. Die sind doch so etwas wie eine Art Schaulaufen, denn der Klassenerhalt scheint in trockenen Tüchern.
Staffeldt: Quatsch! Es sind nach wie vor Punkte zu vergeben, die wir holen wollen. Zudem wollen wir Prämien bekommen. Man sollte mit Ernsthaftigkeit zur Sache gehen, denn die Teams hinter uns holen auch Punkte. Zudem muss sich jeder gut präsentieren, denn es laufen ein paar Verträge aus.

ka-news: Auch der Vertrag von Timo Staffeldt endet am 30. Juni 2010. Wie ist der Stand der Dinge?
Staffeldt: Es gab ein Gespräch mit dem KSC. In zwei, drei Wochen wird eine Entscheidung fallen. Aber es ist bekannt, dass ich mich auch noch nach 14 Jahren im Wildpark sehr wohl fühle.

ka-news: Nach zwei Siegen gegen Top-Clubs ist ein Erfolg beim mittelmäßigen Verein in Oberhausen fast ein Pflichtprogramm, oder?
Staffeldt: Unsinn. Natürlich sollten und vor allem wollen wir dort auf jeden Fall punkten, denn die stehen hinter uns. Aber wer meint, ein Sieg wird ein Selbstläufer, der macht einen großen Fehler. Die Mannschaft weiß, dass sie alles investieren muss um dort zu bestehen.

(Interview: Peter Putzing)

 
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