Wie weit geht Liebe? Doris Dörries Film «Glück»
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Berlin Von Nada Weigelt, dpa - Wollten Sie schon immer einmal sehen, wie ein Mensch mit einem Elektromesser in tragbare Portionsstücke zerteilt wird? Dann sind Sie in dem neuen Film von Doris Dörrie («Männer», «Kirschblüten - Hanami») genau richtig.

Die Erfolgsregisseurin erzählt in «Glück» nach einer Vorlage von Bestsellerautor Ferdinand von Schirach einfühlsam und poetisch eine anrührende Liebesgeschichte zwischen zwei geschundenen Seelen, die aneinander Halt finden.
Aber das ketchupspritzende Fleischgemetzel zwischendrin haut dermaßen ins Kontor, dass einem fast Sehen und Hören vergeht. Auch auf manches Klischee der Geschichte und das ein oder andere Kitschbild von Mohnfeldern, Kirschblüten und versonnen dahinziehenden Wolken hätte man gut verzichten können. Aber sonst: Sehenswert. Für die Regie hat die Münchner Vorzeige-Regisseurin im Januar bereits den Bayerischen Filmpreis erhalten.
Zu danken ist das vor allem ihrer wunderbaren Hauptdarstellerin Alba Rohrwacher. Die 32-jährige Italienerin spielt ihre Figur Irina mit einer solch hinreißenden Mischung aus Verletzlichkeit und Mut, das man meinen möchte, sie habe das alles selbst durchlebt. Die Geschichte geht so: Irina muss wegen des Krieges ihre Heimat irgendwo im Osten verlassen - Soldaten haben ihre Familie ermordet und sie selbst mehrfach höhnisch vergewaltigt. In Berlin hält sich das Mädchen mehr schlecht als recht mit Prostitution über Wasser.
Erst die Begegnung mit dem jungen Punker Kalle (Vinzenz Kiefer) holt Irina langsam, ganz langsam wieder aus ihrer Hölle. «Kannst du festhalten meine Hand beim Schlafen?», sagt sie einmal in ihrem gebrochenen Deutsch. «Damit ich dich nicht vergesse im Traum.» Und auch für den verschlossenen Kalle wird das rätselhafte Mädchen immer mehr zur Rettung, auch wenn beide über ihre Verletzungen nicht sprechen (können). Doch das Zipfelchen «Glück», das sie so unbedingt festhalten wollen, droht ihnen von einem Augenblick zum anderen zu entschwinden. Plötzlich geht es um Alles oder Nichts.
Dass sie das dann so drastisch in Szene setzt, findet Dörrie richtig. «Ein bisschen musste ich schon zeigen, damit man das große Gewicht dieser Tat auch wirklich begreift, damit man versteht, welch ungeheuere Überwindung und Anstrengung sie kostet», sagt die 56-Jährige in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. «Das ist genau das, was ich wollte. Man darf sich nicht darum herummogeln.»
Die Vorlage aus Schirachs Bestseller «Verbrechen» ist keine 13 Seiten lang und umfasst nur den Krimi-Plot. Nachdem der Autor und Rechtsanwalt die Filmrechte verkauft hatte, entwickelte Dörrie aus dem Gerüst die Liebesgeschichte. Er habe bewusst an der Umsetzung nicht mitwirken mögen, sagt Schirach im Presseheft. «Filme entstehen in Teamarbeit, Bücher in Einsamkeit. Ich halte es auch für vollkommen lächerlich, wenn ich Doris Dörrie sagen würde, wie sie etwas zu verfilmen hat.»
Ihre Hauptdarstellerin hat die Filmemacherin übrigens durch reinen Zufall gefunden. In einem Münchner Programmkino sah sie sich «einfach so» Silvio Soldinis Film «Was will ich mehr?» mit Alba Rohrwacher an. «Da wusste ich: Das ist sie», erzählt Dörrie. Noch mit im Team: Matthias Brandt, Oliver Nägele, Maren Kroymann und Christina Große.
Dass sie noch eine weitere der insgesamt elf Schirach-Erzählungen verfilmen könnte, schließt Dörrie aus. «Ich wollte nur diese eine Geschichte», sagt sie. «Mich hat das Glück zwischen den beiden jungen Menschen interessiert - wie sie es bekommen, wie sie darum kämpfen und wie sie versuchen, es festzuhalten.»





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