Filmbesprechung

Karlsruhe Ecke links
Karlsruhe Ecke rechts
title=
  • Drucken
  • Speichern
25.07.2012 14:52
 
Schrift: 

Noomi Rapace im Psycho-Thriller «Babycall» [0]

In «Babycall» steht die eigene Wahrnehmung zur Disposition. Foto: NFP

Berlin Von Franziska Bossy, dpa - Man kennt sie als widerborstige Hacker-Heldin. Die Schwedin Noomi Rapace glänzte zuletzt als Computer-Punklady in der Verfilmung von Stieg Larssons «Millennium»-Trilogie («Verblendung», «Verdammnis», «Vergebung»). Doch die 32-Jährige ist keinesfalls auf einen Frauentyp festgelegt.
Anzeige

Wie wandelbar sie ist, zeigt die Skandinavierin jetzt dem Kino-Publikum in «Babycall». Für ihre Rolle in dem Psycho-Thriller gewann sie beim Filmfest Rom den Preis als Beste Schauspielerin.

In dem Film des norwegischen Regisseurs Pål Sletaune spielt Rapace die besorgte Mutter Anna. Um Schutz vor ihrem gewalttätigen Ehemann zu suchen, zieht sie mit Hilfe des Jugendamts in einen anonymen Wohnblock in Oslo. Die Erfahrungen aus ihrer Vergangenheit haben sie misstrauisch werden lassen: Anna schottet sich ab, zieht stets alle Vorhänge zu. Um ihren Sohn Anders auch im Schlaf schützen zu können, kauft sie ein Babyphone.

Gleich in der ersten Nacht schreckt sie prompt hoch: Laute Schreie dringen aus der Funkanlage! Wird ihr Sohn ermordet? Aber als sie zu Anders rennt, schläft der tief und fest. Anna stellt Nachforschungen an. Ein Verkäufer im Elektronikmarkt gibt ihr einen wichtigen Hinweis: Das Babyphone könnte auch Geräusche eines anderen Geräts übermittelt haben, irgendwo aus ihrem Wohnblock. Fieberhaft sucht Anna die Quelle der Wehlaute. Doch dabei wird ihr plötzlich klar, dass sie Dinge sieht, die andere nicht sehen. Wird sie etwa verrückt? Aber warum ist Blut auf einer Zeichnung von Anders? Ist die Gefahr doch real? Sie nimmt ihre Umwelt jedenfalls immer bedrohlicher wahr - und schützt ihren Sohn und sich selbst mit allen Mitteln.

«Babycall» erzählt diesen Plot konsequent aus der Perspektive von Anna. Die Spannung gründet auf den verschiedenen Ebenen ihrer fragwürdigen Wahrnehmung. Dieses Verwirrspiel macht die Panik der jungen Mutter spürbar und versetzt die Zuschauer in eine Zwischenwelt voller Zweifel: Ist das, was sie durch Annas Augen sehen, Halluzination oder Wirklichkeit?

Rapace verkörpert die verzagte Mutter Anna mit großer Natürlichkeit. Eine sympathische Figur - bis die Sorge um ihren Sohn manische Züge annimmt. Möglicherweise ist sie die eigentliche Psychopathin. Vielleicht aber auch nicht. Es spricht ebenso viel dafür wie dagegen. Wo liegt die Wahrheit? Es ist das Verdienst von Rapaces glaubwürdigem Spiel, dass diese Frage bis zum Schluss offen bleibt.

Regisseur Pål Sletaune wird für seine Thriller - etwa für seinen vorigen Film «Next Door» - gern mit Roman Polanski verglichen. Diesem Ruf wird er auch mit «Babycall» gerecht. Man könnte das nervenaufreibende Drama durchaus als moderne Hommage an Polanskis Frühwerk «Ekel» aus dem Jahr 1965 sehen. Darin verschanzt sich eine junge Catherine Deneuve in ihrem Apartment und verfällt einem ähnlich panischen Wahn wie Noomi Rapace als Anna. Hier wie dort lebt zudem das psychotische Szenario der Leinwandgeschichte vor allem von der brillanten Darstellung der weiblichen Hauptfigur. Noomi Rapace erspielt sich mit «Babycall» jedenfalls endgültig einen Platz in der Riege der stärksten Charakterdarstellerinnen ihrer Generation.

Mehr zu: Film Kino

Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert:

KSC-Stadion: Karlsruher Gemeinderat stimmt für Neubau [99]


3D-Animation der neuen KSC-Arena


Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Titel:
Kommentar:

Kommentare
dürfen 1000 Zeichen lang sein.
Ihnen verbleiben Zeichen.
Für registrierte Nutzer
Für nicht registrierte Nutzer
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzuschicken
Benutzername  
Passwort  
     

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Medienhaus intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

Hinweis: Die Registrierung ist ohne Angabe des wahren Vor- und Zunamens nicht zulässig. Pro Mitglied ist nur ein Account zulässig.

gewünschter Benutzername:
gewünschtes Passwort:
Wiederholung Passwort:
Email:
Ich bin damit einverstanden, künftig über Neuigkeiten informiert zu werden:
Anrede:
Frau Herr  
Titel:
Vorname:
Nachname:
Straße/Hausnr.:
PLZ/Ort:
Geburtstag:
 
 
Themenbereich HTML-
Newsletter
Nicht
abonnieren
ka-news.de-Newsletter: News aus Karlsruhe
KSC-Newsletter: Montagsausgabe
KSC-Newsletter: Freitagsausgabe
ka-news Newsletter: Baden-Baden und Rastatt
ka-news-Gewinnspiel-Newsletter
ka-news.de-Kultur-Newsletter
ka-news.de-Newsletter: Meistgelesene Nachrichten
ka-news-Tippspiel - Newsletter
 
 


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 12 x 2: 
aktuelle Fotogalerien