«Miss Kicki»: Paraderolle für Pernilla August
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Berlin Von Franziska Bossy, dpa - Alkoholkranke Menschen sind oft Meister darin, ihre Abhängigkeit zu verbergen. Wie die Figur «Miss Kicki» in dem nach ihr benannten Kinofilm. Das subtile Versteckspiel einer Trinksüchtigen auf die Leinwand zu bringen, ist eigentlich eine große Herausforderung.
Doch die Schwedin Pernilla August hat sich die Protagonistin völlig zu eigen gemacht - und zeigt in dem kleinen Drama ein großes Stück Schauspielkunst.
Viele Kinogänger kennen Pernilla August aus den «Star Wars»-Filmen, als Mutter des Jedi-Ritters Luke Skywalker. «Miss Kicki» hingegen ist alles andere als eine Science-Fiction-Figur. Die Stärke ihrer Charakterisierung liegt in dem Kampf, den die Trinkerin gegen die allzu reale und problembehaftete Alltäglichkeit führt, wenn sie ihr Leben zu meistern sucht.
Kicki ist fast fünfzig Jahre alt, sie lebt bescheiden in einer Sozialwohnung. Eine gewisse Ablenkung verschaffen ihr die Techtelmechtel mit fremden Männern im Internet. Bis ein gewisser Mr. Chang sie zu sich einlädt - und zwar nach Taipeh! Ob er das wohl ernst meint? Kicki sieht jedenfalls ihre Chance gekommen, der Tristesse zu entfliehen und dem Leben eine positive Wendung zu geben.
Damit dies gelingt, will sie sich auch ihrem Sohn Viktor nähern, der bei ihrer Mutter aufgewachsen ist. Kurzerhand lädt sie den Jugendlichen auf den Trip nach Taiwan ein. Doch auch ihre Trinksucht begleitet Kicki auf die Reise. Und so bleiben sie und ihr Sohn sich fremd. Viktor aber beginnt, sich selbst und seine Homosexualität zu entdecken, er freundet sich mit einem Taiwanesen an. Die Nebenhandlung des Films widmet sich dem zarten Coming-of-Age der Jugendlichen.
Die Alkoholsucht der Protagonistin behandelt das Drama «Miss Kicki» eher beiläufig. Doch gerade weil das Problem recht zurückhaltend dargestellt wird, wirkt es so bedrohlich: Kicki kaschiert ihre Abhängigkeit, erst auf den zweiten Blick wird deutlich, wie sehr die Sucht ihr Lebensglück unterminiert.
Der Debütfilm des Schweden Håkon Liu wirkt mit seinen teils improvisierten Szenen häufiger unausgegoren. Die Dramaturgie ruckelt, das Erzähltempo stolpert, auch Dialoge klingen schon mal holprig. Dieser Eindruck verstärkt sich noch durch die Synchronisation. Zuschauer tun daher gut daran, den Film nach Möglichkeit in der Originalfassung mit Untertiteln zu sehen. So ist die Geschichte von Miss Kicki zwar kein großes Kino. Doch Pernilla August verkörpert die alkoholkranke Mutter dermaßen einfühlsam, dass ihr Spiel das Drama schließlich in eine durchaus sehenswerte Charakterstudie verwandelt.




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