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«In The Land Of Blood And Honey»: Jolie überzeugt [0]

Berlin Von Peter Claus, dpa - Angelina Jolie hat die Seiten gewechselt. Bisher war die 36-Jährige als Action-Star in Filmspektakeln wie «Lara Croft» oder «Salt», als Sonderbotschafterin des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen UNHCR und vor allem als Glamour-Girl in bunten Blättern bekannt.

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«In the Land of Blood and Honey»
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Mit «In the Land of Blood and Honey» führt Angelina Jolie den Zuschauer in die Wirren des Balkankrieges. Foto: Ken Regan/Wild Bunch
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Jetzt hat sie sich erstmals auf den Regiestuhl gesetzt. Nicht genug damit, hat sie für ihr Regiedebüt «In The Land Of Blood And Honey» auch das Drehbuch selbst geschrieben.

Ihr Film, der bereits bei der Berlinale lief, fesselt als bewegende Studie darüber, wie Krieg und Gewalt Persönlichkeiten aus der Bahn werfen und alle Menschlichkeit zerstören. Die Geschichte eines Paares jenseits der ersten Jugend, dessen aufkeimende Liebe durch den Balkankrieg von 1992 bis 1995 erst pervertiert und schließlich regelrecht abgeschlachtet wird, hat viele starke Momente.

Im Zentrum der aufwühlenden Geschichte stehen Ajla und Danijel. Im Bosnienkrieg befehligt er eine Armee-Einheit, die neben zahllosen anderen grauenvollen Taten Frauen fast aller Altersgruppen als Arbeitssklavinnen gefangenhält und viele dieser Frauen permanent sexuell missbraucht. Dazu gehört auch Ajla. Der Ex-Polizist liebt die Malerin zwar. Diese Liebe aber schützt Ajla nicht. Und auch Danijel kommt nicht mit heiler Haut davon.

Jolie beweist neben ihrem Sinn für manche kluge szenische Arrangements Feingefühl als Schauspielführerin. Zana Marjanovic in der Rolle der Ajla und Goran Kostic als Danijel gelingen unter ihrer Anleitung facettenreiche Charakterstudien. Dennoch überzeugt der Film nicht durchgehend. Das liegt insbesondere daran, dass Drehbuch und Regie die Geschichte mitunter nicht scharf genug konturiert erzählen. Dadurch wirkt manche Entwicklung unglaubwürdig, sind die Handlungen der Protagonisten nicht immer nachvollziehbar.

Diese Ungenauigkeiten treffen insbesondere die Figur der Ajla: Es ist nicht deutlich herausgearbeitet, ob ihr Verhalten allein von ihrem persönlichen Kampf ums nackte Überleben geprägt ist. Mehrfach hat es den Anschein, sie handele im Auftrag von Partisanen, die aus Verstecken heraus mit Waffengewalt und Attentaten gegen die so genannten «ethnischen Säuberungen», die Ermordung von zig Tausenden, kämpfen.

Positiv zu bemerken ist, dass Jolie jeglichen Anflug von Kitsch vermeidet. Bewusst ohne Schauspielstars in englischer und in serbo-kroatischer Sprache gedreht, wirkt ihr Ansinnen, das Grauen aller Kriege und jedweder Gewalt von Menschen gegen Menschen anzuklagen, deshalb überzeugend und geht oftmals unter die Haut.

In den USA, wo «In The Land Of Blood And Honey» Mitte Dezember in die Kinos kam, war der kommerzielle Erfolg gering. Die Kritiken waren gemischt.

Sie reichten von «beeindruckend» bis «brutal und verstörend». Immerhin erhielt Jolie eine Golden-Globe-Nominierung in der Sparte «Bester Fremdsprachiger Film». Sie unterlag aber im Januar dem vorjährigen Berlinale-Gewinner «Nader und Simin - Eine Trennung» des iranischen Regisseurs Asghar Farhadi.

Dafür bekam sie vom US-Verband der Filmproduzenten in Los Angeles im Januar die Stanley-Kramer-Auszeichnung. Damit werden Projekte geehrt, die kontroverse soziale Themen anschaulich darstellen.

Bei der Wohltätigkeitsgala Cinema for Peace während der Berlinale bekam Jolie den Preis für den wichtigsten Film des Jahres und zusammen mit ihrem Team außerdem den Ehrenpreis im Kampf gegen Krieg und Völkermord. «Ich habe diesen Film gemacht, weil ich hoffe, dass mehr Menschen aufstehen und versuchen, die Dinge zu ändern», erklärte Jolie. Und ihr Lebensgefährte Brad Pitt sagte stolz: «Es ist ein sehr wichtiger Film. Ich freue mich, dass sie ihn gemacht hat.»

In Europa, wo das Interesse an anspruchsvollen, zeitkritischen Spielfilmen groß ist, hat «In The Land Of Blood And Honey» durchaus die Chance, ein aufgeschlossenes Publikum in den Filmkunstkinos zu finden. Wer diesen Film sieht, ist gespannt auf das nächste Werk von Angelina Jolie als Regisseurin.

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