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Sterben Karlsruher Metzger aus? - "Verbraucher steuert, ob Betriebe überleben" [49]

Karlsruhe (sas) - Noch vor rund 30 Jahren hatten Metzgereien deutschlandweit einen Marktanteil von zirka 50 Prozent. Mittlerweile sind es nur noch zwölf - Tendenz weiter sinkend. Auch in Karlsruhe schließen immer mehr Handwerksbetriebe dieser Art - aus Mangel an Nachfolgern oder an Einnahmen. Die Metzgerei Groß in Neureut-Kirchfeld ist einer der alteingesessenen Betriebe der Fächerstadt. Doch gegen die zunehmende Nachfrage nach billigem Fleisch kann auch Metzgermeister Günther Groß wenig ausrichten.
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Metzger
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Günther Groß stellt seine über 70 Wurstsorten selbst her.
Foto: sas

Bereits morgens um sechs Uhr beginnt der Arbeitstag von Günther Groß. Sein erster Gang führt ihn in die Wurstküche. Dort stellt er über den Tag verteilt seine über 70 Wurstsorten an, darunter Eigenkreationen, wie Peperoni-Lyoner oder seine Neureuter Feuerwehr-Bratwürste.

Bis zirka 15 Uhr schneidet, zerkleinert, würzt und füllt er, bevor er sich dem Papierkram widmet: Rechnungen schreiben, Angebote erstellen und seinen Partyservice organisieren. "Vor 19 Uhr ist selten Feierabend", sagt der Metzgermeister. "Sind Wurstplatten oder größere Fleischportionen bestellt, kann es auch später werden."

70 bis 90 Arbeitsstunden pro Woche

Samstags steht der Fleischwolf still. Dann steht Groß selbst im Ladengeschäft. Haben die Kunden ihre Fleischwaren eingekauft, warten auf ihn und seine Frau Karin die Vorbereitungen für Partyservice-Lieferungen: "Der Partyservice ist heutzutage als zusätzlicher Verdienst unbedingt notwendig. Früher war das eher Nebensache." Ohne diesen müssten viele Betriebe heutzutage dicht machen.

Insgesamt halte sich das Interesse am Metzgerberuf beim Nachwuchs in Grenzen. "Handwerksberufe, die körperlich anstrengend sind, stehen nicht so hoch in der Gunst der Jugendlichen", weiß Groß. Hinzu kommen Wochenarbeitszeiten im eigenen Betrieb von 70 bis 90 Stunden. "Die meisten jungen Leute wollen kaufmännische Berufe erlernen." Eigene Metzgereibetrieben hätten heute sowieso die wenigsten. Der größte Tätigkeitsbereich für Metzger sind mittlerweile die zahlreichen Fleischfabriken, in denen der Großteil der Fleisch- und Wurstprodukte des Einzelhandels hergestellt werden.

Das bekämen die kleinen Betriebe besonders zu spüren. "Der Verbraucher meint, dass Fleisch und Wurst aus dem Supermarkt grundsätzlich billiger sind", sagt Günther Groß. Doch in vielen Fällen lohne sich für den Verbraucher der Vergleich. Manchmal sei Supermarktware sogar teurer als die hausgemachte Wurst vom Metzger um die Ecke. "Nur der Verbraucher kann steuern, ob die kleinen Familienbetriebe neben den Supermarktketten bestehen können."

"Ich mache die Wurst so, wie ich sie auch essen möchte"

Wer billiges Fleisch kaufen möchte, müsse jedenfalls Abstriche bei der Qualität machen. "Es ist ein großer Unterschied, ob zum Beispiel Schweine für die Schnellzucht aufgezogen werden, damit sie so schnell wie möglich und so viel Fleisch wie möglich liefern. Oder sie für gesunde Nahrungsmittel gezüchtet werden und Zeit haben, zu wachsen." Gute Qualität erkenne man beispielsweise beim Gulasch daran, dass man beim Anbraten aufpassen müsse, dass es nicht anbrennt, weil nahezu keine Flüssigkeit aus dem Fleisch austrete.

Selbst schlachten kann Günther Groß nicht. Er bekommt sein Fleisch von einem Bauernverband, der seine Tiere nach bestimmten Qualitätskriterien aufzieht. "Ein Schlachthaus für meinen Betrieb, dass der EU-Norm entspricht, würde rund 400.000 Euro kosten. Eine solche Investition stünde in keiner Relation zu den Einnahmen." Seit 1963 gibt es Groß' Betrieb in Neureut. Sein Vater habe sie nach dem Grundsatz "Ich mache die Wurst so, wie ich sie auch essen möchte" eröffnet. Nach dieser Devise arbeitet der Betrieb heute noch.

Mehr zu: Ticker Metzger Fleisch Beruf Ausbildung Einzelhandel Wirtschaft



Kommentare [49]
Hinweis: Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung von ka-news wieder.
  • unbekannt
    (4000 Beiträge) | 07.07.2012 14:27
    Der Verbraucher steuert gar nix mehr,
    der ist selbst gesteuert.

    Lebensmittel haben heute generell einen viel geringeren Stellenwert als noch vor 20 Jahren.
    Ursache ist wohl der Wahn, dass alles immer und überall in jeder Menge und zu billigen Preisen erhältlich sein müsse!
    Mit dem Metzger ist es wie mit der Speisekarte im Restaurant: zu viel im Angebot geht auf Kosten der Qualität.
  • (98 Beiträge) | 09.07.2012 09:24
    Ich kauf nicht billig
    Aber ich kauf trotzdem kein Fleisch... vielleicht gerade deshalb.
  • (20148 Beiträge) | 07.07.2012 15:34
    Erst die Bäcker
    und jetzt sind halt die Metzger dran.

    Allerdings denke ich, dass die Marge beim Metzger so hoch ist, dass sich ein kleines Häuflein Spezialisten wird halten können. Teuer natürlich, aber man siehts und schmeckts.
    Es sterben halt auch die Kunden weg, die Jugendlichen heute wissen ja gar nicht was artisanal ist.
    So wie der Strom aus der Steckdose kommt und alles einfach da ist.
  • (274 Beiträge) | 07.07.2012 17:26
    .........für ALLE, die es nicht wissen
    >artisanal< steht unter anderem auch für: handwerklich
  • (105 Beiträge) | 07.07.2012 18:46
    Unterschied Bäcker und Metzger
    Es gibt aber für mich schon einen Unterschied zwischen den beiden Berufen. Beim Bäcker ist es einach so, das es sich nicht mehr lohnt, zu einem "Bäcker" zu gehen, der zwar auf seinem Laden Bäckerei stehen hat, aber auch nur noch alles aufbackt. Da habe ich doch in Disscountern bessere Qualität, frischere Ware und die backen mehrmals am Tag auf. Früher bin ich sehr gerne zum Bäcker gegangen, heute ist dort die Qualität einfach nur noch schlecht. Hier in meiner Gegend gibt es schon fast keine Bäckereien mehr, nachdem sie von selber Hestellen auf aufbacken gegangen sind
  • (711 Beiträge) | 09.07.2012 14:12
    ich auch nich bis grad vorm googeln
    Dachte an ars, artis = Kunst (lat.), und hab versucht, dieses Wissen mit dem zweiten Teil des Wortes in Verbindung zu bringen grinsen grinsen
  • (711 Beiträge) | 09.07.2012 14:13
    ging an
  • (20148 Beiträge) | 09.07.2012 16:25
    Hehe...
    artisanal ist einfach eingedeutschtes Französisch.
    Das macht man um wichtig und weltgewandt zu klingen. grinsen
  • (7479 Beiträge) | 07.07.2012 15:40
    Statt täglich billigfleisch, umsteigen auf alle drei Tage Fleisch, dann kann's auch mal 16€ das Kilo kosten. Vom Metzger oder beim Beckers Hofladen
  • (2080 Beiträge) | 07.07.2012 16:31
    Marketing
    Gerade mal gegoogled, "metzgerei karlsruhe". Das hier: http://www.metzgerei-sack.de/ finde ich sogar recht vorbildlich. Aber mehr Infos über die Produkte (halt einfach mal eine Liste) wäre toll.

    Bei http://www.metzgerei-naegele.de/weiß ich immerhin, dass sie jeden Freitag Kesselfrisches haben. Auch hier wäre interessant, was genau ...

    Die Supermärkte kippen einen halt ständig mit Werbung zu. Bei Metzgereien kriegt man ohne hinzugehen nicht raus, was sie haben, gar nicht haben, nur manchmal haben, nur auf Vorbestellung haben etc. ...
  • (3944 Beiträge) | 07.07.2012 16:35
    Ach,.....
    ...was nutzt uns aber auch beste aufgeklärteste Bevölkerung, die zum Metzger geht anstatt zu Aldi oder Lidl an die Fleischtheke, wenn es keine jungen Leute mehr gibt, die den Beruf des Metzgers erlernen wollen?
  • (1313 Beiträge) | 07.07.2012 17:32
    Auch in dieser Branche...
    ...könnte man gezielt Fachkräfte aus dem Ausland anwerben.
  • (1128 Beiträge) | 07.07.2012 22:43
    so wie bei den Fleischwerken?
    oder fertig ausgebildete ????
    Ach so, es gibt ja so wenig Fachkräfte die wollen
  • (2816 Beiträge) | 08.07.2012 10:15
    ..den Beruf des Metzgers nicht erlernen wollen ......
    wen wunderts ?
    Wer kann denn sein Leben lang in runtergekühlten Räumen täglich
    von morgens bis abends schwere Fleischstücke schleppen, diese zer-
    legen oder weiter verarbeiten ? Diese Arbeit ist knochenhart und
    wird außerdem ganz schlecht bezahlt.
    Gesundheitliche Probleme treten da schon ganz früh auf.
  • (946 Beiträge) | 09.07.2012 09:07
    Diese Arbeiten...
    macht doch fast kein Metzger mehr. (s.o.)

    Das machen osteuropäische Kontingent- oder Werkvertrags-Arbeitskräfte im Schlachthof...
  • (354 Beiträge) | 07.07.2012 16:45
    Gute Werbung
    Fürs Metzgerhan dwerk.Stimmt viel zu oft rennt man in den Edeka um die Ecke.Hinzu kommt viele Metzgerläden sterben aus .Bin in der Nordweststadt immer regelmässig zu meinem Lieblings Metzger,den gibt's leider nicht mehr und einen Ort weiter lässt oft die Bequemlichkeit nicht zu,auf die schnelle tust der Supermarkt meistens auch.
  • (1608 Beiträge) | 07.07.2012 17:28
    Sterben Karlsruher Metzger aus?
  • (2030 Beiträge) | 07.07.2012 17:46
    Es gibt immer mehrere Seiten
    Warum soll ein Metzger in einem Supermarkt schlechter sein.
    Bei uns hat der Metzger immer seine Wurst und sein Fleisch aus einer verschweißten Folie ausgepackt, die Wurst hat nicht besser geschmeckt war aber viel teurer.
    Früher als noch selbst geschlachtet wurde, ja das waren noch Zeiten.
    Klar auch, dass es noch gute Metzger gibt.......aber auch Menschen die es sich einfach nicht leisten können.
    Es gibt auch Leute, die mehr Geld in ihr Auto stecken als in ihre eigene Gesundheit.
    gezielt Fachkräfte aus dem Ausland anwerben
  • (3120 Beiträge) | 07.07.2012 17:52
    Noch Fragen?
    Zitat von Artikel
    70 bis 90 Arbeitsstunden pro Woche



    Da werde ich doch lieber Bundeskanzlerin
  • (711 Beiträge) | 09.07.2012 14:20
    nene
    Inhaber einer "Werbeagentur" in Berlin. Dann schreibe ich auf meiner homepage an der Stelle, wo andere Referenzen aufzählen, dass meine Kunden größten Wert auf Diskretion legen und ich es deswegen unterlasse bekanntzugeben, für wen ich schon gearbeitet habe...

Seite : 1 2 3 (3 Seiten)

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