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Kempter will Rückkehr - Littmann kritisiert DFB [1]

Hamburg (dpa) - Schiedsrichter Michael Kempter will trotz der Affäre um den ehemaligen DFB-Funktionär Manfred Amerell noch in dieser Saison wieder Fußball-Spiele leiten. Der 27-Jährige hatte die verbandsinternen Ermittlungen im Fall Amerell ausgelöst.

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Referee
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Schiedsrichter Michael Kempter leitet 2007 die Bundesliga-Partie Hannover 96 - VfL Bochum.
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Dem ehemaligen Mitglied im Schiedsrichterausschuss wird vorgeworfen, mindestens einen Referee sexuell belästigt zu haben. «Wenn ich ein halbes Jahr Pause machen müsste, könnte ich gleich aufhören», sagte Kempter dem «kicker». Zuvor hatte sich bereits der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, dafür ausgesprochen, dass Kempter schon in naher Zukunft auf den Platz zurückkehrt und dabei die Unterstützung der Fans bekommt.

Der Unparteiische war seit dem Bekanntwerden des Falls Amerell nicht mehr eingesetzt worden. Amerell hat die Vorwürfe gegen ihn zurückgewiesen. Kempter betonte dagegen: «Ich habe die Wahrheit gesagt.» DFB-Chef Zwanziger hatte den Rücktritt von Amerell als notwendig bezeichnet.

Das Krisenmanagement des DFB stieß auf Kritik bei Bayern Münchens Chef Karl-Heinz Rummenigge. «Eine Angelegenheit nun von oben herab für beendet zu erklären, ist eine Sache. Aber ob die Medien da mitspielen?», fragte der Vorstandsvorsitzende des deutschen Rekordmeisters im DSF. Rummenigge erinnerte den Verband zudem daran, dass die Intimsphäre eines Menschen zu schützen sei. «Was der DFB im Moment auf seiner Kommunikations-Schiene macht, finde ich irritierend», sagte er.

Der Präsident des Zweitligisten FC St. Pauli, Corny Littmann, kritisierte den DFB. «In der Vergangenheit ist viel geredet worden, man müsse Tabus brechen, einen offenen Umgang mit Schwulen praktizieren. Allein es scheint sich in der Praxis etwas schwieriger darzustellen als bislang gedacht wurde», sagte Littmann der Deutschen Presse-Agentur dpa. Der 57-Jährige sieht Amerell «als Täter und Opfer des Systems zugleich». «Er ist sicherlich das Opfer eines Verbandes, der große Probleme hat, mit der Sexualität seiner leitenden Funktionäre umzugehen», sagte Littmann, der angibt, homosexuelle Unparteiische im Profi-Fußball zu kennen.

«Schwule Schiris sind nicht wohlgelitten im deutschen Schiedsrichterwesen, wenn sie sich offen verhalten. Deshalb ist es verständlich, dass sich Herr Amerell in seinen Aussagen sehr zurückgehalten hat», sagte Littmann. «Für Menschen, die sich in so einem Umfeld bewegen, sind das schlicht Überlebensstrategien.» Amerells Verhalten sei typisch für jemanden, der jahrelang nicht offen mit seiner Sexualität umgegangen sei.

Auch das Vorgehen der DFB-Spitze um Zwanziger sieht Littmann kritisch: «Man kann das formal betrachten und feststellen, dass Manfred Amerell von seinen Ämtern zurückgetreten ist. Damit macht man sich das relativ einfach.» Insgesamt reime es sich zu einer «äußerst unglücklichen Umgangsweise» zusammen. «Der Vergleich Zwanzigers vom Abhängigkeitsverhältnis zwischen Lehrer und Schüler hinkt. Darauf wird es sich nicht reduzieren lassen», sagte Littmann.

Während der DFB den Fall nach einer internen Untersuchung als abgeschlossen betrachtet, wird der Süddeutsche Verband, dem der Augsburger Amerell angehört, eine Kommission zur weiteren Aufklärung der Vorwürfe einsetzen. «Da lassen wir nicht locker. Wir wollen auch wissen: Wer hat Augen und Ohren zugehalten, wer hat also geschwiegen und weggeguckt?», sagte Verbandspräsident Rolf Hocke der «Frankfurter Rundschau».

Größeren Einfluss der Deutschen Fußball Liga (DFL) auf das Schiedsrichterwesen verlangten derweil prominente Vertreter von Profi-Clubs. «Die Schiedsrichter gehören zur DFL, weil sie für die Profiligen zuständig sind», sagte Stuttgarts Sportdirektor Horst Heldt im «kicker» und schloss sich einer Forderung von Schalkes Trainer Felix Magath an.

Werder Bremens Geschäftsführer Klaus Allofs sprach sich für eine verbesserte Zusammenarbeit von DFB und DFL aus, meinte aber, eine Ausgliederung der Schiedsrichter in den DFL-Bereich müsse nicht unbedingt erfolgen. Ähnlich äußerte sich Manager Christian Heidel vom FSV Mainz 05. Heidel stellte jedoch fest: «Augenblicklich hat die DFL zu wenig Mitspracherecht.» Eintracht Frankfurts Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen erklärte: «Ich war früher im Schiedsrichterausschuss, der Einfluss der DFL ist dort verschwindend gering.»

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