- EM 2012:
Ruhe und Gelassenheit bei den Franzosen dank Blanc
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Donezk Von Florian Lütticke, dpa - Laurent Blanc braucht nur einen Schuss, um seine Spieler zu beeindrucken.
Während Franck Ribéry und Co. bei der ersten EM-Übung in der Ukraine immer wieder vergeblich auf die Latte zielen, nimmt der französische Nationalcoach an der Mittellinie der Trainingshalle Maß und zirkelt den Ball direkt an den Querbalken.
Nicht nur wegen seiner spielerischen Raffinesse genießt der ehemalige Weltmeister bei Profis und auch in der Öffentlichkeit hohes Ansehen. «Der Trainer ist groß, er hat mich immer unterstützt», beschreibt Bayern-Star Ribéry das Verhältnis zu dem früheren Weltklasse-Abwehrchef. «Er hat uns Ruhe, strukturierte Arbeit und eine gelassene Atmosphäre gebracht», berichtet Florent Malouda vom Champions-League-Sieger FC Chelsea.
Dank 21 Spielen ohne Niederlage nacheinander hofft ganz Frankreich auf eine Renaissance der Équipe Tricolore bei der EURO in Polen und der Ukraine - dabei stand Blanc bei der Amtsübernahme im Sommer 2010 vor einer Mammutaufgabe. Der 46-Jährige habe nach dem WM-Vorrunden-Aus mit einem beschämenden Trainingsstreik «Ruinen geerbt», schrieb die «L'Équipe» kurz vor dem EM-Auftakt gegen England am Montag.
Inzwischen hat Blanc mit seiner ruhigen Art und der natürlichen Autorität in der Grande Nation wieder für Freude am Nationalteam gesorgt. Die EURO sei eine Gelegenheit, um eine gute Geistesentwicklung zu demonstrieren, sagt er. Damit diese Mission auch auf der großen Fußball-Bühne eine erfolgreiche Vollendung findet, setzt er auf seine Routine von den Titeln bei der Heim-WM 1998 und der EM 2000. «Ich denke, das ist ein Vorteil. Wenn du so etwas schon einmal durchgemacht hast, dann zählt diese Erfahrung», meint der kurzzeitige Kapitän, der mit dem Kuss der Glatze von Torwart Fabien Barthez vor wichtigen Spielen weltberühmt wurde.
Auf Glück verlässt sich Blanc in der Vorbereitung auf den EM-Ernstfall nicht. Bei den Sprints der Spieler im grellen Neonlicht des Trainingszentrums Kirscha schleicht er scheinbar teilnahmslos mit tief ins Gesicht gezogener Kappe durch die hangarähnliche Halle. Er überwacht, sein Assistent gibt die Kommandos. Als «Perfektionisten» beschreibt ihn «sport.fr», den Spitznamen «Lé President» erwarb er sich als Abwehrorganisator.
Sein Konflikt mit dem echten Verbandspräsidenten ist für die Zeit der EM zumindest öffentlich beigelegt. Über eine mögliche Verlängerung des nach dem Turnier endenden Vertrags mit dem Coach werde im Anschluss verhandelt, beschied Noël Le Graët. Nach der erfolgreichen Qualifikation hatte Blanc einen Kontrakt bis 2014 verlangt - Gerüchte über eine Trennung und Interesse von europäischen Topclubs machten die Runde.
Die weitere Reputation und Zukunft Blancs, der Girondins Bordeaux 2009 zum französischen Meistertitel führte, wird sich somit bei der EURO entscheiden. Für das erste Spiel hat der langjährige Profi zumindest einen kleinen Wissensvorsprung. Als früherer Spieler von Manchester United zeigte er sich als wissbegieriger Lehrling der englischen Fußballschule von Sir Alex Ferguson. Der Franzose habe die Trainingsmethoden immer sehr genau verfolgt, sagte der 70-Jährige dem Radiosender RMC Sport, «das französische Team ist ausgewogen und wieder eine Siegermannschaft. Er hat ganz offensichtlich die Qualitäten als Coach.»




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